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Eisbären vs. Alba Berlin - 21.2.2009

Wenn eine Mannschaft im Profisport nach 21 Saisonspielen mit nur drei Siegen abgeschlagen am Tabellenende steht, dann geht es dort in der Regel um das nackte sportliche Überleben. Wollen Sie wissen, wie viele sportliche Absteiger aus der Basketball-Bundesliga in den letzten acht Jahren im Folgejahr den direkten sportlichen Wiederaufstieg geschafft haben? Kein einziger.

Diverse Mannschaften, die sportlich eigentlich den Gang in die zweite Liga hätten antreten müssen, durften nur in der Liga verbleiben, weil die BBL in der Saison 2003/04 erst von 14 auf 16, dann drei Jahre später von 16 auf 18 Mannschaften aufgestockt wurde. Andere eigentliche Absteiger hatten das Glück, dass andere Ligakonkurrenten für die Folgesaison keine Lizenz mehr bekamen und sie dank einer Wildcard in der Liga bleiben durften. So langsam müssen sich auch die Fans der Eisbären Bremerhaven wohl mit dem Gedanken anfreunden, dass diese höchst unsportliche Art und Weise die einzige sein wird, die den Eisbären den Verbleib in der höchsten deutschen Spielklasse sichern könnte. Denn auch gegen ALBA Berlin, einen eigentlich übermächtig erscheinenden Gegner, gab es keine Sensation und keine weiteren Punkte im Kampf gegen den Abstieg. Dabei luden die pomadig und teilweise arrogant agierenden Berliner die Eisbären geradewegs dazu ein, eine kleine Überraschung zu schaffen. Am Ende setzte es aber dann doch trotz einer couragierten Aufholjagd im vierten Viertel eine 69:78 Niederlage.

Um mal für ein wenig Hoffnung zu sorgen: Finanzkranke Ligakonkurrenten gibt es scheinbar genügend. Und daran ist keineswegs die Weltwirtschaftskrise Schuld. Die fast schon notorisch finanzklammen Giessener sorgen ja mittlerweile schon jährlich für Hiobsbotschaften, auch die Bremerhavener Erzrivalen aus Paderborn kämpfen schon lange mit einem Minimaletat um das finanzielle Überleben. Umso bemerkenswerter ist da gerade deren sportlicher Höhenflug. Neuerdings sollen auch die Düsseldorf Giants mit Geldproblemen zu kämpfen haben und auch die Brose Baskets Bamberg haben Probleme. Diese sind zwar nicht existenzbedrohend, aber sollte deren Halle nicht an die Stadt Bamberg sondern an einen anderen Investor verkauft werden, müssten die Bamberger wohl mit einer empfindlichen Erhöhung der Hallenmiete rechnen. Dass dies zu Lasten des Spieleretats gehen würde ist nur logisch.

Allerdings stellt sich mir da die Frage, ob man als Fan überhaupt sonderlich glücklich darüber sein dürfte oder sollte, wenn ein möglicher Klassenerhalt so zustande käme. Gerade in Anbetracht der eigenen Finanzlöcher vom Saisonbeginn würde das doch einen ziemlich bitteren Beigeschmack hinterlassen. Aber zum einen hat der Verein diese Löcher im Etat ja hervorragend totgeschwiegen und zum anderen sind solche Überlegungen zumindest im Moment noch pure Fantasie.

Davon musste man im Vorfeld der Partie gegen ALBA Berlin im Übrigen schon ziemlich viel aufbringen, um auch nur ansatzweise mit einem guten Gefühl in die Partie zu gehen. Auf der einen Seite die stargespickte Euroleague Top 16-Truppe, auf der anderen Seite der abgeschlagene Tabellenletzte der BBL. Da braucht man normalerweise nicht einmal einen Taschenrechner, um sich die Chancen der Eisbären auszurechnen. Aber die Berliner taten den Eisbären den Gefallen, übermäßig lässig, ja fast schon arrogant in der Stadthalle aufzutreten. So bekommt dann sogar eine spielerisch völlig unterlegene Mannschaft wie die der Eisbären eine Chance eine europäische Spitzenmannschaft zu schlagen.

Um am Ende als Sieger vom Platz zu gehen, hätten die Eisbären die Fehler der Berliner aber viel konsequenter ausnutzen müssen. Anfangs des zweiten Viertels, Berlin drohte den Eisbären nach einem soliden Start gerade zu enteilen, fielen die Schiedsrichter auf eine grandiose Schauspieleinlage von Eric Osmundson herein. Dem mit einem unsportlichen Foul belegten Rashad Wright missfiel diese Entscheidung naturgemäß ziemlich, woraufhin Schiedsrichter Boris Schmidt sich genötigt sah dem Berliner auch noch ein technisches Foul aufzubrummen. Was Wright genau gemacht hatte, um sich das zu verdienen, weiß aber keiner. Für einen Zwergenwitz war eigentlich nach dem Foul zu wenig Zeit vergangen.

Während Eric Osmundson sich an die Ausführung der vier fälligen Freiwürfe machte, hatte das serbische Rumpelstilzchen Luka Pavicevic seinen großen Auftritt. Quasi auf Höhe der Mittellinie, und damit nun einmal weit außerhalb seiner Coachingzone in der er sich aufzuhalten hat, empörte sich Berlins Trainer über die Entscheidungen der Schiedsrichter, was ein weiteres technisches Foul zur Folge hatte. Also noch zwei weitere Freiwürfe für die Eisbären, plus Einwurf auf Höhe der Mittellinie. Von den sechs Freiwürfen traf Osmundson fünf und machte aus dem 16:22 auf einen Schlag ein 21:22.

Die Eisbären schlugen aber kein großes Kapital aus solchen selbstzerstörerischen Aktionen des amtierenden Meisters. Das Momentum der Partie kippte keineswegs zu Gunsten der Gastgeber, ganz im Gegenteil. Den Rest des zweiten Viertels dominierte ALBA und ging mit einer 42:33 Führung in die Halbzeitpause. Im Vorfeld des Spiels hätte man wohl mit einem so kleinen Rückstand zur Halbzeit bequem leben können, in Anbetracht der Entwicklung des Spiels an sich jedoch war dieser Rückstand aber viel zu groß.

Nach der Halbzeit schienen die Berliner dann innerhalb von nur weniger Minuten die Partie entscheiden zu wollen. Es dauerte gerade einmal knapp über sechs Minuten, da hatten die Berliner aus dem 42:33 zur Halbzeit ein 61:38 gemacht. In dieser Phase passierte bei den Eisbären mal wieder das, was so oft schon in dieser Saison passierte. Man schafft es einfach nicht gegnerische Läufe zu unterbrechen, weil das Team sich in solchen schlechten Phasen komplett selber aufgibt. Von Teambasketball ist in solchen Situationen dann nichts mehr zu sehen, Spieler verstricken sich zusehends in Einzelaktionen, die zwangsläufig zu Ballverlusten und damit einfachen Punkten für die Gegner führen.

Die Berliner Spieler, offenbar im Gefühl des sicheren Sieges, schalteten nach diesem Lauf mindestens drei Gänge zurück. Mit halber Kraft wurde versucht das Spiel über die Runden zu schaukeln, was aber gehörig in die Hose ging. Plötzlich entdeckten die Eisbären nämlich ihr Kämpferherz wieder, allen voran Craig Callahan. Angeschlagen ins Spiel gegangen setzte der Power Forward eine kleine Aufholjagd in Gang. Mit zwei Dreiern und einem Assist hatte Callahan maßgeblichen Anteil daran, dass die Bremerhavener bis zum Viertelende auf 49:64 verkürzen konnten.

Es folgte der große Auftritt des Kapitäns. Jeb Ivey, in den vergangenen Wochen für seine Passivität in der Offensive kritisiert, fasste sich ein Herz und nahm endlich mal wieder am Angriffsspiel der Eisbären teil. Sein Dreier im ersten Angriff des Schlußviertels brachte die Eisbären auf 12 Punkte heran. Kurz zuvor war Alba noch mit 23 Punkten vorne gewesen, sollte da tatsächlich noch etwas gehen?

Die Aufholjagd ging jedenfalls munter weiter. Callahan mit einem weiteren Dreier, Nicholson mit einem Tip-In und noch mal Callahan verkürzten auf 59:67. Als dann Jeb Ivey mit einem Dreier vom Parkplatz sogar zum 62:67 traf stand die Stadthalle Kopf. Da war er endlich wieder, der Göttingen-Ivey. Für solche Würfe wie diesen völlig ansatzlosen Dreier aus bestimmt neun Metern Distanz liebten die Fans in Göttingen den Iceman. Die Gespräche mit dem Trainer haben offenbar gefruchtet.

Als Craig Callahan 4:20 Minuten vor dem Ende des Spiels seinen insgesamt fünften Dreier im Korb der Berliner unterbrachte und damit auf 67:69 verkürzte hatten die Eisbären schon 19 Punkte Rückstand aufgeholt. Rumpelstilzchen sah sich zu einer Auszeit genötigt und erweckte seine Spieler erst einmal aus dem Dornröschenschlaf. Man hatte offenbar die eine Schwachstelle im Spiel der Eisbären an diesem Tag ausgemacht: den Defensiv-Rebound. Center Jared Reiner fehlte ebenso verletzungsbedingt wie Kollege Frank Elegar. Callahan war angeschlagen und Nicholsons Kondition reicht unter normalen Umständen nun einmal nur für gute zehn Minuten. Zudem zogen die Eisbären den Berlinern mit einer Zonenverteidigung ein wenig den Nerv. Die Schwäche einer Zonenverteidigung liegt aber nicht nur in der Verteidung von freien Dreierschützen (da hatten die Eisbären Glück, denn Berlin traf schlecht von außen), sondern auch im Ausblocken für den Rebound. Diese Systemschwäche nutzten die Berliner fortan gnadenlos aus. Die Verteidigungsleistung der Milonas-Truppe war keinesfalls schlecht, aber gegen die physische Überlegenheit unter den Körben hatten die dezimierten Bremerhavener in der Schlussphase nichts mehr entgegen zu setzen. Die wichtigen Rebounds angelten sich immer wieder die Berliner, und solche Klassemannschaften darf man eben in solchen Situationen nicht zu zweiten Wurfchancen einladen.

Der bevorstehende März wird so etwas wie der Monat der Wahrheit für die Eisbären werden. Es stehen Heimspiele gegen direkte Mitkonkurrenten um den Abstieg ins Haus. Zunächst kommen am 08.03. die Gießen 46ers, zwei Wochen später geben die die Köln 99ers die Ehre. Schließlich muss man noch einmal eine Woche später gegen die Walter Tigers Tübingen antreten. Diese drei Heimspiele müssen die Eisbären gewinnen, ansonsten sind die Chancen auf den Klassenerhalt nur mehr noch theoretischer Natur, sofern sie das nicht jetzt eigentlich schon sind. Aber selbst wenn diese Heimspiele (dazwischen liegt noch am 14.03. das Auswärtsspiel in Bonn) alle gewonnen werden, steht die Truppe von Algirdas Milonas vor einem gewaltigen Stück Arbeit. Aber wenn man diese Spiele gegen die direkten Konkurrenten nicht für sich entscheidet, dann braucht man gar nicht erst an die nächsten Schritte denken. Es geht um das Überleben dieses Vereins in der BBL. Nicht mehr, nicht weniger.

Let’s go Eisbären!

 

 

 
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