Eisbären vs. Frankfurt - 8.2.2009
Die Partie gegen Frankfurt muss für Eisbären-Mäzen Wolfgang Grube ein merkwürdig anzuschauendes Spiel gewesen sein. Was die Deutsche Bank Skyliners auf dem Spielfeld da veranstalteten, ist doch eigentlich Grubes persönliche Domäne: Beton anrühren. Gegen das hessische Verteidigungsbollwerk fanden unsere Eisbären zu keinem Zeitpunkt ein probates Mittel. Da konnten es sich die Frankfurter sogar leisten, mit Pascal Roller und Titus Ivory gleich zwei kranke Leistungsträger komplett zu Hause zu lassen, am Ende war die Mannschaft von Chefcoach Algirdas Milonas trotzdem völlig chancenlos. Mit 67:79 fiel die Niederlage sogar noch halbwegs erträglich aus, mit ein wenig mehr Nachdruck hätten die Skyliners die Partie durchaus noch viel deutlicher für sich entscheiden können. Als die Partie gelaufen war, konnte man aus Eisbärenfan-Sicht eigentlich nur ein Fazit ziehen: Die Punkte im Abstiegskampf wird man gegen andere Gegner holen müssen, Teams wie die Skyliners Frankfurt sind schlicht und ergreifend mindestens eine Nummer zu groß für Callahan und Co.
Wie schon erwähnt, fehlten den Frankfurtern mit Pascal Roller und Titus Ivory zwei Leistungsträger krankheitsbedingt. Solche Ausfälle würden so manches BBL-Team personell ziemlich in die Bredouille bringen. Zwei so gute Spieler zu ersetzen, ist schwer. Der eine ist schließlich ein langjähriger deutscher Nationalspieler mit etlichen Spielen internationaler Erfahrung, der andere war 2006 mit RheinEnergie (so hießen sie damals jedenfalls noch) Köln schon einmal Deutscher Meister und auch dort ein Leistungsträger. Wenn aber eine Mannschaft den Ausfall zweier solcher Spieler einfach so wegsteckt als ob nichts gewesen wäre, dann sagt das einiges über die Qualität des Mannschaftskaders aus.
Aus Sicht der Eisbären könnte man die Auswahlmöglichkeiten, über die Frankfurts Coach Murat Didin verfügt, fast schon als dekadent bezeichnen. Im Spiel gegen die Eisbären hockten unter anderem Derrick Allen, Konrad Wysocki und Jimmy McKinney bei Spielbeginn auf der Bank und durften nicht in der Starting Five ran. Derrick Allen ist ja nur ein ehemaliger BBL-Topscorer und Wysocki ein Deutscher Nationalspieler. Selbst Jimmy McKinney ist so gut, dass er aller Wahrscheinlichkeit nach einer der absoluten Leistungsträger wäre, wenn er ein weiß-blaues Eisbären-Trikot tragen würde. Dass mit Dominik Bahiense de Mello ein Spieler aus dem erweiterten Kader der Deutschen Nationalmannschaft trotz der kranken Mannschaftskameraden überhaupt nicht spielen durfte, ist dann das Tüpfelchen auf dem I.
Algirdas Milonas wäre wahrscheinlich einer der glücklichsten Trainer des Universums, wenn er sich mit solchen Luxusproblemen auseinandersetzen müsste. Aber ihn und seinen neuen Co-Trainer Pat Elzie plagen ganz andere Sorgen. Nachdem Arturas Valeika seinen Kreuzbandriss aus der Saisonvorbereitung auskuriert hat, haben die Eisbären doch glatt zu viele Spieler im Kader. 13 Profis stehen, sofern keiner krank oder verletzt ist, zur Verfügung, aber nur zwölf dürfen bei einer Partie maximal eingesetzt werden. Einer hat also quasi zwangsläufig die A-Karte gezogen und muss sich in zivil an das Ende der Bank setzen. Sicher sind nur die drei Deutschen im Kader, denn so viele müssen laut BBL-Statuten schon auf der Bank sitzen. Anstatt also auszuwählen welchen Nationalspieler man diesmal auf der Bank schmoren lassen muss, hat Milonas dummerweise nur die Qual der Wahl, welchen unterdurchschnittlich begabten ausländischen Basketballer man zum tatenlosen Zusehen in zivil verdammen muss. Nicht gerade beneidenswert dieser Job.
Gegen Frankfurt erwischte es, zum Entzücken vieler Fans, Point Guard Giordan Watson. Ausnahmsweise gab es also mal keine Angriffe, in denen quasi gar nichts passierte, weil Watson wie angewurzelt in der gegnerischen Hälfte stand und dann, nachdem er erfolgreich die Shotclock vergessen oder ignoriert hat, irgendeinen Notwurf gen gegnerischer Reuse schmeißen muss. Dass das aber oft, wenn nicht sogar meistens, gar nicht Watsons persönliche Schuld ist, sehen die meisten dabei nicht. Die Anweisungen von Sakalauskas bzw. mittlerweile Milonas an den sprunggewaltigen Zwerg wird ja wohl kaum so gelautet haben: „Giordan – take the ball, don’t give it up, stay still for 20 seconds and then shoot a desperation three from 10 meters out with the shotclock winding down! OK!?“ – „No problem Coach…“.
Meistens kommen die völlig vermurksten Angriffe, die meistens Watson angekreidet werden, nämlich durch völlig miserabel durchlaufene bzw. durchschaubare Systeme zu Stande. Watson wartet darauf, dass einer seiner Mannschaftskameraden sich über Blöcke auf den Flügeln freilaufen kann. Dass er dann natürlich dumm aussieht, wenn da aufgrund mangelhafter Ausführung der Systeme selten mal einer frei steht, den er anpassen könnte, kann man ihm kaum anlasten. Vorwerfen kann man Watson lediglich sein miserables Shotclock-Management. Oftmals wird man den Eindruck nicht los, dass er immer noch glaubt, er habe wie auf dem College 35 Sekunden Zeit für einen Angriff (im US College-Basketball hat man nämlich so lange für einen Angriff).
Es ist ja auch nicht so, als ob die Eisbären nicht noch genügend andere Spieler hätten, die sich gerade nicht sonderlich mit Ruhm bekleckern. Allen voran muss man da wohl Jeb Ivey und Zygi Jonusas nennen. Nach einem recht ordentlichen Saisonbeginn werden Iveys Leistungen von Spiel zu Spiel eigentlich immer nur noch schlechter. Aber den Mannschaftskapitän setzt man wohl nicht einfach so in zivil auf die Bank, dafür scheint Ivey für das Teamgefüge noch zu wichtig zu sein. Ob man das auch von Zygi Jonusas behaupten kann? Wahrscheinlich nicht, der ist eher als eine der wenigen Identifikationsfiguren für die Fans in dieser Mannschaft wichtig. Aber Identifikation wirft keine Körbe, und bei allem Einsatz und Kampf den Zygi jedes Mal auf das Feld bringt darf man die Augen einfach nicht davor verschließen, dass er einfach nur noch ein Schatten des Spielers ist, der hier 2006/07 so viele Fans begeistert hat.
Zum Teil sind aber auch diese Probleme hausgemacht. Einerseits muss man wohl einsehen, dass das Basketballspielen in dieser Mannschaft von damals einfach herrlich angenehm gewesen sein muss. Damals kannte Jonusas in der BBL noch keiner und in einem Team mit Spielern wie Brian Jones, Nick Jacobson, Adam Chubb und Judson Wallace hatten die meisten Gegner sowieso andere Probleme als sich mit Jonusas auseinanderzusetzen. Dafür war diese Mannschaft einfach zu gut besetzt. Das wurde dann schlagartig anders, nachdem diese Mannschaft im Sommer 2007 völlig auseinanderbrach. Plötzlich war Zygi der letzte Mohikaner, die Liga kannte seine Qualitäten, die Mannschaft des Folgejahres war anfangs lange nicht so gut und obendrein hatte man dem jungen Litauer auch noch das Kapitänsamt aufgebrummt. Das musste ja schief gehen. Als dann auch noch die schwerwiegende Knöchelverletzung mit ihren etwaigen Komplikationen dazukam, war endgültig Hopfen und Malz verloren. Den Zygimantas Jonusas aus der Saison 2006/2007 bekommen wir wahrscheinlich nie wieder zurück, dafür ist in den vergangenen anderthalb Jahren einfach zu viel schief gelaufen.
Ivey und Jonusas brachten es gegen Frankfurt zusammengerechnet auf grandiose null Punkte und drei Fouls in gut 15 Minuten Spielzeit. Aber damit waren sie nicht die einzigen Eisbären, die sich an der Betonabwehr der Frankfurter die Zähne ausbissen. Center Jared Reiner machte eine mehr als unglückliche Figur, Eric Osmundson und sein Backcourt-Kollege Gansey waren mit dem Druck der Frankfurter Presse oftmals hoffnungslos überfordert und hatten oft genug Mühe den Ball überhaupt unfallfrei in die gegnerische Hälfte zu bugsieren. Die Defense der Skyliners schaffte es immer wieder allein schon den Ballvortrag so zu erschweren, dass meistens nur noch 12-14 Sekunden übrig blieben um überhaupt einen anständigen Angriff auf die Beine zu stellen. Meistens vergingen schon 10-12 Sekunden, bis die Bremerhavener überhaupt eine halbwegs geordnete Angriffsformation eingenommen hatten.
Eine ordentliche Partie boten eigentlich gerade mal zwei Spieler. Craig Callahan war mit 20 Punkten mal wieder Topscorer der Eisbären. Warum der bewegliche Power Forward aber teilweise so lange auf der Bank schmoren musste, wird wohl ein Geheimnis von Trainer Milonas bleiben. Die andere positive Erscheinung des Spiels war Jan Lipke. 16 Punkte erzielte er in gerade einmal knapp 17 Minuten Spielzeit. Mit seiner unbändigen Energie und einem unglaublichen Willen (wenn die Würfe nicht reingegangen wären, würde hier wohl stehen: Er versuchte es mal wieder mit dem Kopf voran durch die Wand zu rennen) schaffte er es in der zweiten Halbzeit sogar kurzfristig einmal, so was wie Hoffnung aufkeimen zu lassen. Aber die abgezockten Frankfurter ließen sich die Butter nicht vom Brot nehmen und erstickten alle Hoffnungen früh im Keim.
Mit den Frankfurtern war ein Gegner in der Stadthalle zu Gast, der für die Eisbären einfach eine Nummer zu groß ist. Die Punkte im Abstiegskampf wird man gegen andere Gegner holen müssen. Aber es wird nicht ausreichen, einfach nur die Heimspiele gegen die direkten Konkurrenten im Abstiegskampf zu gewinnen. Da müssen irgendwo Siege her, die die anderen Teams im Tabellenkeller nicht holen. In den beiden kommenden Partien hat man es aber mit noch größeren Kalibern zu tun als Frankfurt. Tabellenführer Oldenburg ist der nächste Gegner, mit ALBA Berlin kommt gut eine Woche später gleich das nächste Schwergewicht. Da riecht es nach zwei weiteren Pleiten und nach immer dünner werdender Luft im Abstiegskampf.
Let’s go Eisbären!
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